SPD Bad Mergentheim

 

40 Jahre SPD - gleich 2 mal...

Veröffentlicht in Ortsverein


Jubilare Klaus Dieter Brunotte und Gertrud Deppner In der hinteren Reihe Kreisvorsitzender Jo Thees (links), Ortsvereinsvorsitzender Edgar Ernst (mitte) und stellv. Ortsvereinsvorsitzende Veronika Kluge

Gleich zwei Mitglieder des Bad Mergentheimer SPD-Ortsvereins konnten für vierzig Jahre aktiven Einsatz für die Sozialdemokratie geehrt werden. Gertrud Deppner und Klaus-Dieter Brunotte feierten ihre Ehrung zusammen mit Parteifreunden und dem Kreisvorstand...

Die 77jährige Gertrud Deppner hat ihr rheinisches Temperament jung und vital gehalten. Obwohl sie schon lange nicht mehr in Neunkirchen, sondern wieder in der Kernstadt Bad Mergentheim wohnt, leitet Gertrud Deppner dort noch die aktive Gymnastikgruppe. Noch im Alter von 65 Jahren machte sie den Übungsschein für Seniorengymnastik. Sie gehörte dort dem Ortschaftsrat Neunkirchen an. Sie war Initiatorin der Seniorengruppe, in der sie wichtige Ideengeberin ist. Mit ihrer fröhlichen und zupackenden Art hat sie bei der Arbeiterwohlfahrt, wo sie Mädchen für alles ist, und dem SPD-Ortsverein viele Freunde gewonnen. Im Vorstand der Bad Mergentheimer SPD setzt sich Gertrud Deppner vor allem für die Belange der älteren Generation ein.
Als älteste von sieben Geschwistern musste sie früh mit für den Unterhalt der Familie sorgen. Sie arbeitete als Serviererin und Köchin und lebte mit ihrem Mann zunächst in Düsseldorf in einer ausgebombten Wohnung. Aus sozialer Verantwortung trat sie in die SPD ein. Als Sozialdemokratin wurde sie auch mal bespuckt und beschimpft, dies hielt sich nicht davon ab, soziale Aufgaben zu übernehmen. Begeistert zeigte sie ihr Parteibuch in dem sich Annemarie Renger, Helmut Schmidt und Johannes Rau mit ihrem Autogramm verewigt haben.

Auch Stadtrat Klaus Dieter Brunotte blickte zurück und schilderte den Freunden seinen Weg zur Sozialdemokratie: „Mein politisches Interesse wurde geweckt durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Suche nach den Ursachen dieses Supergaus in der deutschen Geschichte. Ich wollte daran mitwirken, dass sich so etwas nie wiederholt. Das war im Zusammenhang mit dem Auftreten einer rechtsradikalen Partei bei Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland 1965.
Auf der Suche nach der Partei mit der größten Übereinstimmung in Bezug auf meine eigenen politischen Überzeugungen landete ich 1967 bei der SPD. In Bad Mergentheim sollte damals gerade eine Organisation der Jungsozialisten gegründet werden. Da machte ich natürlich gleich hochmotiviert mit.
Bei einer Vorbesprechung zur Juso-Gründung staunte ich nicht schlecht: Mit Klaus Felzmann und Harald B. Schäfer, dem späteren Umweltminister von Baden-Württemberg, traf ich gleich auf zwei meiner Lehrer vom DOG.

Ein besonderes Verhältnis verband mich mit Herrn Schäfer. Er hatte sich bei uns im Unterricht mit den Worten vorgestellt: „Mein Name ist Schäfer.“, worauf ich meinem Tisch-Nachbarn ein „Määäh!“ zuflüsterte. Dummerweise war es so still, dass mein Kurzkommentar im ganzen Raum deutlich zu hören war. In das allgemeine Gekicher mischte sich die strenge Frage Herrn Schäfers: „Wer war das?“ Ich meldete mich. Herr Schäfer zückte sein Büchlein. „Name?“ – „Brunotte.“ – „Vorname?“ – „Klaus-Dieter.“ – „Ihren Namen werde ich zweimal rot unterstreichen.“
So hatten wir uns kurz vor der Juso-Sitzung kennen gelernt. Als er mich jetzt sah, begrüßte er mich mit den Worten: „Ah, Brunotte, Sie machen auch mit?“ „Ja“, erwiderte ich, „mein Name ist ja sowieso schon zweimal rot unterstrichen.“

Zu einem Parteieintritt habe ich mich allerdings noch nicht entscheiden können, zumal meine Eltern darüber nicht amüsiert gewesen wären und ich als Schüler keine eigenen Finanzmittel besaß.
Als es 1969 um „Willy wählen“ ging und Willy Brandt in besonderem Maße meine Zustimmung fand, fasste ich dann den Entschluss, in die SPD einzutreten. Als Student mit kleinen Jobs konnte ich den Mitgliedsbeitrag inzwischen selbst bezahlen.
Zunächst engagierte ich mich besonders für die Belange der Jugend in Bad Mergentheim, für die es in der Kur- und Badestadt nur wenig Möglichkeiten gab, ihre Freizeit zu gestalten. Mit dem Leserbrief „Mergentheimer Schlaf“ wurde ich 1970 quasi über Nacht bekannt. Der Brief provozierte über 100 Antworten, wovon 52 über Wochen hinweg veröffentlicht wurden. Am Ende dieser Entwicklung hat sich die erste Bürgerinitiative „Interessensgemeinschaft Mergentheimer Jugend“ mit mir als Vorsitzendem gebildet. Wir hatten Erfolg und konnten 1975 das jetzige Jugendhaus einweihen.

Im Jahr 1971 wartete ein politischer Höhepunkt auf mich. Laut Bild-Zeitung wurde ich zum jüngsten Stadtrat Deutschlands gewählt, laut Stuttgarter Zeitung war ich der jüngste Stadtrat in Baden-Württemberg. Sicher ist, was in der hiesigen Presse stand. Ich war damals der jüngste Stadtrat, der je in Bad Mergentheim gewählt wurde.
Meine politische Tätigkeit hat mich im Laufe der Jahre mit einer ganzen Anzahl bekannter Persönlichkeiten zusammengebracht. Annemarie Renger kam 1975 als Präsidentin des Deutschen Bundestages nach Bad Mergentheim und wurde u.a. von mir betreut, Anke Fuchs war als Gesundheitsexpertin hier. Der chilenische Erziehungsminister Anibal Palma z.Zt. der Regierung Allende berichtete ausführlich über die schlimmen Ereignisse damals in Chile. Mit ihm stand ich bis zu seinem Tod in Kontakt. Mit Wolfgang Roth und Uwe Benneter bin ich im Oldtimer – Feuerwehrauto durch die Stadt gefahren. Alex Möller, Bundesfinanzminister, war 1975 Festredner zum 30-jährigen Bestehen des Ortsvereins nach der Wiederzulassung der Partei durch die Amerikaner. Heidi Wiezorek-Zeul machte bei uns Mergentheimer Jusos ihren Antrittsbesuch nach ihrer Wahl zur Bundesvorsitzenden. Mit Ullrich Lang saß ich zu einem öffentlichen Kamingespräch auf dem Sofa. Dr. Dieter Spöri, Erhard Eppler und Hans-Ulrich Klose haben sich von mir Bad Mergentheim zeigen lassen.
In bleibender Erinnerung ist mir die Funktionärskonferenz 1977 im Kursaal, kam ich doch mit meinem Idol Willy Brandt zusammen und wurde von ihm zu meinem Redebeitrag beglückwünscht. Anschließend war ich sein Tischnachbar beim Essen. 1982 wurde ich von Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Kanzlerfest nach Bonn eingeladen.

1990 war ich zusammen mit Günter Breitenbacher zur Wahlfeier der Bundestagswahl in der SPD-Baracke und hatte Gelegenheit zu einem kurzen Gedankenaustausch mit dem damaligen SPD-Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine.
Auch SPD-nahen Persönlichkeiten aus der Kultur bin ich zum Teil mehrmals persönlich begegnet. Dazu zählen Günter Grass und besonders der unverwüstliche Dieter Hildebrandt.

Zu meinen erfolgreichen politischen Aktivitäten zähle ich meinen Einsatz für einen Bürgerentscheid 1991. Es ging um Stellplätze unter der Turnhalle am Oberen Markt, die auf unbestimmte Zeit keine Zufahrt gehabt hätten. Die Bürger haben das – wie wir auch – abgelehnt. Das war der erste Bürgerentscheid, den es in Bad Mergentheim gegeben hat.

Erfolgreich gestaltete sich auch der Bürgermeisterwahlkampf 1995, wurde doch der SPD-Kandidat Uwe Hülsmann in Zusammenarbeit mit den Freien Wählern und den Grünen gewählt.

Wenn ich keinen vergessen habe, dann hat es während meiner bisherigen Zeit als Fraktionsvorsitzender (seit 1978) 9 Vorsitzende des SPD-Ortsvereins gegeben. Mit Rose Gruner hatten wir 1974 die erste Frau als Vorsitzende. Was für Zeiten sind das gewesen, sie war Mitglied Nr. 118 im Ortsverein. Etwa die Hälfte der 118 Mitglieder waren Jusos!
Das zeigt aber auch, was möglich ist.“

 
 

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